In Deutschland werden Mitarbeiter systematisch demotiviert, klein gehalten und (alters-)diskriminiert. Oberflächlich betrachtet scheint das nicht zu Bestrebungen der Bundesregierung zu passen, die auf Bildung setzt, auf Technologie und Wissenschaft, auf besonders qualifizierte Angebote unserer Exportnation. Aber was ist wirklich dran?
Karriere hängt bei uns nicht von Qualifikation ab: Job-Hopping und Vitamin B sind wichtig.
- Job-Hopping: Man wechselt im Alter von 25 bis 39 Jahren alle 2 bis 4 Jahre den Job, möglichst immer mit einem Gehalts- und Karrieresprung. Einziges wirkliches Ziel ist dabei ein beeindruckender Lebenslauf und möglichst noch beeindruckendere Position ab 40.
- Vitamin B: Man steckt durch Elternhaus und persönliche Beziehungen in einem Netzwerk, das einem zu höheren Posten verhilft.
Oft werden auch beide Möglichkeiten kombiniert. Leistung und Wissen, Bildung und Qualifikation sind jedenfalls nicht die Hauptmotoren für Karriere. Was sich dann auch deutlich sichtbar in der Qualität der deutschen „Management-Elite“ manifestiert.
Qualifizierung im Unternehmen findet nicht wirklich statt.
- Jeder weiß, dass man etwa ab 40 ein Unternehmen und eine Position erreicht haben sollte, die einen bis zur Rente versorgt. Es werden niemals Arbeitnehmer ab 40 gesucht – die sind bereits öfter krank, neigen angeblich mehr zu Erschöpfungserscheinungen und psychischen/ psychosomatischen Beschwerden. Es wird unterstellt, dass sie nicht mehr auf dem allerneuesten Stand von Technik und Wissen seien. Sie lassen sich zudem evtl. schwerer einschüchtern und lenken. Warum sollte man also Menschen ab 40 qualifizieren oder aufsteigen lassen? Sie bleiben sowieso dort, wo ihre Schäfchen einigermaßen im trockenen sind, auch wenn sie etwas maulen.
- Chefs, die entsprechend bereits aus dem Job-Hopping Alter heraus sind, haben genau aus diesem Grund kein Interesse, sich Mitarbeiter (in dem Fall auch jüngere) heranzubilden, die ihnen am Ende ihren Job streitig machen könnten. Sie wissen ja, dass sie selbst am Ende ihrer Karriereleiter sind (da selbst über 40), also sind alle, die von unten nachdrängen, klein zu halten. So geben sie ihren persönlichen Frust, die ganze Demotivation, die ihnen diese Erkenntnis bringt, treffsicher an ihre Abteilung oder ihren Bereich weiter. Was dann dort dazu führt, dass Motivation und Leistung, sowie auch Wissen und Qualifikation dauerhaft am unteren Skalenende verharren.
- Bei Arbeitnehmern, die bei Weiterqualifikation unterstützt werden, in die also investiert werden soll, befürchtet man hinterher höhere Ansprüche oder den Weggang bei Nichterfüllen der Ansprüche. Folglich rechnet sich für Personalabteilungen Weiterqualifizierung nicht. Sie suchen im Bedarfsfall lieber auf dem internationalen Arbeitsmarkt qualifiziertes Personal, in das sie nicht erst investieren müssen.
Die Qualifizierungsangebote sind oft schlecht.
- Dort wo Fortbildung u.ä. angeboten wird, sind das oft Alibiveranstaltungen, die den Arbeitnehmern nur Möglichkeiten und Wertschätzung vorgaukeln sollen. Sie sind weder am praktischen, anwendbaren Nutzen, noch am Aufholen z.B. von akademischen Arbeits- und Denkweisen ausgerichtet. (Die meisten werden das kennen: 6 Stunden Selbstbeweihräucherungsvorträgen der Seminaranbieter zuhören, zwischendurch lecker Häppchen und dann möglichst früh Feierabend machen. Das mag eine nette Abwechslung im Arbeitsalltag sein, Weiterbildung ist das nicht.)
- Die Qualität von Erwachsenenbildung, Fortbildung und auch Umschulung ist oft ganz besonders schlecht. Mehrjährige Umschulungen, die zu 90% darauf aufgebaut sind, dass die Umschüler sich Bücher und Lehrmittel selbst kaufen und diese allein studieren, sind keine Seltenheit. (Auch keine Seltenheit, dass die, das engagiert tun, ihren Lehrern sehr bald sehr viel voraus haben.) Oft findet lediglich am Ende der Lehrzeit eine Prüfungsvorbereitung statt, damit das jeweilige Institut keine hohen Durchfallquoten erhält. Umschüler haben nach dem Abschluss trotzdem häufig ein unzureichendes, lückenhaftes und veraltetes Wissen. Kein Wunder, dass sie in den Unternehmen nicht sehr beliebt sind. Der Regierung ging es ja eigentlich auchnur darum, die Umschüler für die Dauer der Maßnahme aus der Arbeitslosenstatistik heruaszuhalten.
Die Vorstellung des „Nachrückens“ ist bereits aus den Köpfen verschwunden.
Es ist so unglaublich ärgerlich, von angeblich intelligenten Menschen zu lesen, „dass man doch keine ungebildetet Hartz IV Empfänger zu Ingenieuren machen kann“. Natürlich nicht – aber ein Facharbeiter könnte Ingenieur werden, ein Arbeiter dann Facharbeiter und ein Anlerner, der dann zum Arbeiter aufsteigt, einen Platz für einen neuen Anlerner frei machen, der vorher arbeitslos war. So haben Karriere und Qualifikation mal funktioniert, so kann ein Arbeitsmarkt, der nicht nur aus Akademikern besteht, trotzdem durch Qualifizierung auf akademischem Niveau aufgerollt werden. Nur will die Deutsche Wirtschaft das ja nicht aus o.g. Gründen.
Mit diesen Phänomenen ist es klar, warum Politik und Wirtschaft nach Fachkräften aus dem Ausland schreien. Natürlich sind sie billiger, denn in sie hat das Unternehmen nicht investiert. Und wenn man sie geschickt aus genau den ausländischen Märkten rekrutiert, die stärker wachsen und rentabler sind, dann kann man dort leichter Fuß fassen, indem man sie, eingeschworen auf das Unternehmen, zurückschickt oder als Kontakt einsetzt. Das Wachstum dieser ausländischen Märkte (z.B. Indien) ist das eigentliche Interesse auf Unternehmensebene. Es gibt bestimmt Spekulanten, die bereits auf das Abbröckeln der deutschen Wirtschaft wetten.
Deshalb ist es fatal, wie Lobby-hörig unsere Politik ist. Unsere Regierenden erfüllen ihre Aufgabe nicht. Denn die Interessen der Wirtschaft stimmen NICHT überein mit den Interessen der Menschen in diesem Land, die sie eigentlich vertreten sollten.